European Champion: Ein Erfahrungsbericht und ein dickes Dankeschön an uns

06.09.2018  |  Reitsport
Guten Morgen liebes dt-saddlery-Team,

seit einer Woche sind Ariano und ich jetzt aus Stadl Paura zurück und alles, was dort passierte, scheint immer noch so unrealistisch und unfassbar. Wir haben es tatsächlich geschafft und sind Europachampion 2018 in der Dressur der schweren Klasse geworden. Aber von Anfang an:

Angereist sind wir Dienstagmorgen in aller Früh, in der Hoffnung, so vielleicht noch eine Chance auf eine Box in einem der festen Ställe zu bekommen und so das Stallzelt umgehen zu können. Nicht, dass wir nicht gerne mit dem deutschen Team das Stallzelt geteilt hätten, aber mit einem Hengst ist es in der engen Stallgasse eines solchen Zeltes immer so eine Sache. Wir hatten Glück, waren früh genug und haben noch eine Box in einem gemischten Stalltrakt Österreich/Luxemburg bekommen.

Nachdem alle Sachen ausgeräumt und verstaut waren, haben Ariano und ich eine Erkundungstour über das weitläufige Gelände des Pferdezentrums unternommen und auf jedem der vielen Reitplätze und Hallen mal eine Runde gedreht. Ari war sehr aufgeregt, fühlte sich aber gut an und hat gut mitgearbeitet. Auch am Mittwoch haben wir uns für lockeres Training morgens und abends mit jeweils 30 Minuten entschieden. Ich wollte Ariano nicht müde machen, ihn aber doch an die besondere Atmosphäre, die bei einer Europameisterschaft überall zu spüren ist, gewöhnen. Zugegeben, Ariano zeigte sich davon wesentlich weniger beeindruckt als ich selbst.

Am Donnerstag wurde es dann ernst. Die erste Prüfung stand am frühen Abend für uns auf dem Plan. Als letztes Pferd hatten wir eine für mich optimale Ausgangsposition. Ich starte gerne weit hinten und kann mir so erst noch einige Ritte der Prüfung ansehen und eventuell herausfinden, was die Richter gerne sehen wollen.

Natürlich wird man von Ritt zu Ritt nervöser, auch ich kann mich davon nicht freisprechen. Aber sobald ich im Sattel saß, war die Nervosität wie weggeblasen und schon beim Abreiten fühlte sich Ariano super an und ich habe mich auf unseren Auftritt gefreut.

Die Aufgabe liegt uns eigentlich ganz gut, nur die Lektion aus dem Galopp auf der Mittellinie in den versammelten Schritt zu wechseln und daraus die Pirouette einzuleiten, hat mir ein bisschen Sorgen bereitet. Zu Recht wie sich herausstellte. Eine Parade zum Schritt auf der Mittellinie hält Ariano nach wie vor für völligen Quatsch. Auf der Mittellinie wird zum Gruß gehalten und die Prüfung somit beendet, die Gangart Schritt gibt es für ihn hier nicht. Und genau das hat er auch getan – zack stand er und war mit seiner Aufgabe fertig.

Sicherlich wird uns dieser Fehler den ein oder anderen Punkt gekostet haben, man möchte schließlich einen sauberen Übergang vom Galopp in den Schritt und kein abruptes Halten und wieder losreiten sehen. Aber am Ende hat es für den 3. Platz von 27 Teilnehmern gereicht. Eine super Rangierung um damit am nächsten Tag in die Kür zu starten.

Freitagnachmittag waren wir dann als siebter Starter an der Reihe, unsere Kür zu präsentieren. Ich muss zugeben, mit Liedern wie „Von den blauen Bergen kommen wir“, „Resi i hol die mit dem Traktor ab“ und „Macho Macho“, war die Musikauswahl schon sehr gewagt. Es galt jetzt alles oder nichts, entweder es gefällt (alles österreichische Lieder zu einem österreichischen Pferd) oder es gefällt eben nicht. Ganz schlecht schienen die Richter den Ritt nicht gefunden zu haben – es reichte für den 4. Platz in dieser Prüfung.

Die Addition der beiden Prozentzahlen aus der „Pflichtaufgabe“ und der Kür, hat dann tatsächlich für den Gesamtsieg gereicht und ab sofort dürfen wir uns Europachampion 2018 nennen.

Ein Ergebnis, von dem ich nicht einmal zu träumen gewagt habe. Sicherlich war ich davon ausgegangen, dass wir nicht ganz schlecht abschneiden werden. Die ganze Saison 2018 lief ganz gut, wir waren sicher in den Lektionen. Aber die anderen Nationen und auch meine deutschen Mitstreiter haben gute Leistungen gezeigt. Ich hatte mit einer Platzierung im vorderen Drittel gerechnet, ganz sicher aber weder mit einem Platz auf dem Podium, noch mit dem Sieg. Und entsprechend sprach- und fassungslos war ich, als das Ergebnis offiziell verkündet wurde.

Bei der abschließenden Siegerehrung am Samstagabend mit Nationalhymne und allem, was dazu gehört, war ich ganz froh, dass die Zuschauer meine feuchten Augen nicht wirklich sehen konnten.

Es geht eine tolle und unvergessliche Zeit zu Ende, die wir ohne die großartige Unterstützung von dt saddlery niemals hätten erleben können. Ich möchte mich daher an dieser Stelle noch einmal ganz besonders dafür bedanken – vielen Dank, dass ihr das möglich gemacht habt.

Ganz liebe Grüße

Ariano und Nicole



Wir danken Nicole für diesen tollen und ausführlichen Bericht und gratulieren noch einmal herzlich!

Das Team von dt saddlery