Friert mein Pferd? – Wann eine Decke sinnvoll und notwendig ist

06.11.2018  |  Tips & Tricks
Für jedes Wetter, ob Regen, Schnee oder Wind, gibt es eine Pferdedecke. Dazu kommen Decken für Schweiß oder Fliegen. Doch wann ist es überhaupt sinnvoll und notwendig sein Pferd einzudecken, wenn man bedenkt, dass ein gesundes Pferd von Natur aus nicht so schnell friert?

Jeder Pferdebesitzer sollte darüber nachdenken, wenn er sein Pferd eindeckt, dass die natürliche Wärme-/Kältezirkulation beeinträchtigt wird. Maßgeblicher Unterschied ist dabei, ob das Pferd ganz oder teilweise geschoren ist oder nicht, sowie der Einsatz des Pferdes.

Wird ein Pferd nämlich geschoren, ist es komplett vom Menschen abhängig. Ein weiterer Aspekt bei der Wahl der Pferdedecke ist, ob es sich um ein sportlich gerittenes Pferd, ein Freizeitpferd oder ein „Senior“-Pferd handelt. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, wie das Pferd untergebracht ist (Box mit oder ohne Paddock oder Offenstall) und ob das Pferd auch im Winter auf die Koppel darf.

Grundsätzlich gilt, wer sein Pferd nicht scheren möchte, jedoch den starken Fellwuchs verhindern will, sollte circa Ende August/Anfang September, sobald die Nächte kühler werden, mit dem Eindecken (anfänglich nur nachts) beginnen. Dazu eignet sich eine leichte Decke.

Pferdebesitzer, die ihre Pferde scheren, tun dies Ende Oktober/Anfang November und decken die Pferde bis dahin meist nicht ein. Der Zeitpunkt des Scherens ist auch abhängig vom Ende der Turniersaison und der damit verbundenen anschließenden Trainingspause. Wichtig: Sattellage auf keinen Fall scheren!!!

Welche Decke bei welcher Haltung?

Bei einer Paddockhaltung benötigt ein geschorenes Pferd eine wasser- und winddichte Outdoordecke. Je nach fallender Außentemperatur ist eine entsprechende Unterdecke notwendig. Achten Sie dabei auf die Denier Angabe, Füllmenge und Atmungsaktivität. Bei sehr kalten Temperaturen soll auch der Hals mit eingedeckt sein, da dieser Bereich durch das Scheren ungeschützt ist und das Pferd deshalb anfälliger.

Bei einem nicht geschorenem Pferd ist normalerweise eine wasser- und winddichte Outdoordecke ohne Füllung ausreichend. Bei milden Außentemperaturen sollte man kontrollieren, ob das Pferd schwitzt und ggf tagsüber auf eine Decke verzichten.

Bei Wind und Regen hingegen frieren Pferde schneller, da Nässe die isolierende Wirkung des Fells schmälert.

Unbedingt beachten: Nach dem Training benötigt das verschwitzte Pferd zunächst eine Abschwitzdecke bevor die Outdoordecke aufgelegt wird. Andernfalls kann die Feuchtigkeit nicht entweichen, sondern staut sich darunter. Dies gilt ebenso bei einer Offenstallhaltung sowie beim Koppelgang.

Bei einer Boxenhaltung von geschorenen oder nicht geschorenen Pferden kann in der Box auf eine wasser- und winddichte Decke verzichtet werden. Jedoch beim Koppelgang macht es Sinn, eine Outdoordecke aufzulegen, um die Pferde bei einem Wetterumschwung vor Wind und Regen zu schützen.

Sportpferd, Freizeitpferd oder „Senior“/“Patient“?

Bei Sportpferden macht das Scheren oder ein frühzeitiges Abdecken natürlich Sinn, da das Pferd andernfalls durch das starke Schwitzen sehr schwer trocken zu bekommen ist, dadurch auskühlt und somit anfällig für Erkältungskrankheiten wird. Nicht vergessen: Zum Warmreiten bzw. Abreiten nach der Arbeit sowie bei Ausritten benötigt das Pferd eine Abschwitz- oder Nierendecke.

Die Notwendigkeit des Scherens bzw. Eindeckens ist bei Freizeitpferden von der Intensität des täglichen Trainings, der Stärke des Winterfells sowie der Rasse abhängig. Alternative ist ein sog. Jagdschnitt, d.h. das Pferd ist nur teilweise geschoren.

„Senioren“ und sehr dünne/magere oder kranke Pferde sollten bei kaltem Wetter beim Koppelgang eingedeckt werden, ggf auch in der Box.

Tipps für die richtige Passform

Die Deckengröße muss auf die entsprechende Rückenlänge abgestimmt sein. An Widerrist, Brust- und Schulterbereich dürfen keine Scheuerstellen entstehen (Gehfalten können dies verhindern). Die Gurte zum Verschnallen der Decken müssen auf die richtige Länge eingestellt sein, damit die Decke nicht verrutscht und das Pferd sich beim Wälzen nicht mit den Hinterbeinen in den Gurten verhängt.

Tipps für Reinigung und Pflege

Regelmäßiges Waschen und anschließendes Imprägnieren der Decke ist wichtig. Die tägliche Verschmutzung durch Koppel oder Box kann mit einer Wurzelbürste entfernt werden. Überprüfung der Funktionsfähigkeit der Schließen/Schnallen sowie der Bauchgurte nicht vergessen!

Fazit

Grundsätzlich gilt es zu überdenken: Ist es notwendig, mein Pferd einzudecken und zu scheren? Man sollte bedenken, dass ein Pferd Kälte besser verträgt als Hitze. Das Temperaturempfinden des Menschen weicht stark von dem des Pferdes ab. So kommen die meisten erwachsenen Pferde bis etwa minus 15 Grad ohne Decke zurecht, wenn sie an Kälte gewöhnt sind und ihnen ein Wetterschutz zu Verfügung steht.

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