Tipps für die Gewichts-Steuerung (Zu- und Abnahme) beim Pferd

17.01.2019  |  Tipps & Tricks

Viele Pferdebesitzer haben Probleme mit dem Gewicht ihres Pferdes. Grundsätzlich frisst ein Pferd in der Natur bis zu 16 Stunden täglich. Der Mensch hat das Pferd „zivilisiert“ und füttert es im Durchschnitt dreimal täglich. Dabei sollte man bedenken, dass der Pferdemagen nur etwa 18 Liter fasst. Durch diese komprimierte/geballte Fütterung dreimal am Tag erhält das Pferd relativ viel Futter auf einmal – im Gegensatz zur Natur, wo das Pferd ständig, aber mäßig Gras, Äste, Rinde, Kräuter, etc. frisst. Diese ständige Futteraufnahme ist für den äußerst komplizierten Verdauungsvorgang sowie Magen-Darmtrakt des Pferdes optimal. Alles was das Pferd abschluckt und dadurch in den Magen gelangt, muss durch den kompletten Magen- und Darm (Gesamtlänge etwa 38 Meter).







Faktoren, die zum optimalen Gewicht des Pferdes beitragen bzw dieses beeinflussen:

Gute Futterqualität, die durch optimale Erntebedinungen und korrekte Lagerung erzielt wird. Ein wichtiges Indiz dafür ist, wenn das Heu langfaserig ist und gut riecht. Ideal ist Bio-Heu von ungedüngten Wiesen mit möglichst naturbelassenen Gräsern und Kräutern. Es darf nicht mit Schimmelpilzen befallen sein oder einen moderigen Geruch aufweisen. Beim Hafer gelten grundsätzlich dieselben Erntebedingungen, nämlich trockenes Einbringen, notfalls ein Trocknen des Getreides sowie auch optimale Lagerbedingungen. Indizien für eine gute Qualität sind hier eine goldgelbe Farbe und ein gutes „Litermaß“. Bei Gabe oder Einstreu von Stroh gelten die eben genannten Voraussetzungen auch, idealerweise Haferstroh oder Weizenstroh. Bei Fütterung von Kraftfutter, Pellets/Müsli sollte auf die Inhaltsstoffe geachtet werden und gegebenenfalls eine Futteranalyse erstellt werden. Mineralstoffe und Zusatzfutter sollte auf die Hafer- und Kraftfuttermenge individuell abgestimmt werden.

Futtermengen sollten idealerweise mit einem Tierarzt oder/und einem kompetenten Futterberater festgelegt werden.

Bei den Futterzeiten gilt es zu beachten, dass die Fütterungen täglich zu den gleichen Uhrzeiten zu erfolgen hat. Die größte Futterration sollte das Pferd vor der längsten Ruhephase erhalten, was meistens am Abend zutrifft. Wichtig ist auch, dass dem Pferd ständig ausreichend Wasser zur Verfügung steht. Zwischen der Fütterung und dem Training mit dem Pferd sollten mindestens zwei Stunden liegen. Grund dafür ist, dass der Verdauungsvorgang viel Blut benötigt; wird nun jedoch das Pferd direkt nach der Fütterung geritten, zieht der Blutkreislauf zu viel Blut in den Bewegungsapparat ab, was zu Verdauungsstörungen/Kolik führen kann.

Die Zähne sollten mindestens einmal im Jahr vom Tierarzt überprüft werden. Andernfalls können beim Kauen und Zerkleinern des Futters Probleme auftreten. Bei Zahnproblemen nämlich kann das Pferd das Futter nicht ausreichend zerkleinern und einspeicheln, was wiederum zu Verdauungsproblemen/Kolik führen kann oder generell zu einer mangelnden Futteraufnahme oder sogar zu einer Verweigerung des Futters.







Ursachen und Behebung von Untergewicht

Für das Untergewicht von Pferden gibt es unterschiedliche Ursachen. Zum einen kann Stress durch Turniere, ständige Unruhe oder Stall-/Reiterwechsel die Ursache sein. Darüber hinaus die Futterqualität, -art und -menge. Ein weiterer Grund können auch gesundheitliche Probleme sein. Grundvoraussetzung, um das Untergewicht zu beheben, ist eine ständige Verfügbarkeit von Raufutter (Heu und Stroh). Die Kraftfuttergabe in Form von Müsli, Kraftfutterpellets, Hafer, Gerste, Maisflocken oder geschrotteter Mais sowie Mineralfuttergabe sollte idealerweise nach Erstellen eines großen Blutbildes individuell auf das Pferd und in Absprache mit dem Tierarzt eingestellt werden. Hafer und Gerste unbedingt in gequetschtem Zustand verfüttern, da nur so eine nahezu hundertprozentige Verwertbarkeit gewährleistet ist. Weizen eignet sich wegen seines hohen Kleberanteils hingegen nicht zur Fütterung. Durch Gras-, Heu-, und Maiscobs kann ebenfalls eine Gewichtszunahme erreicht werden. Cobs sollten sinnvollerweise ausreichend im warmen Wasser aufgeweicht werden. Ebenso ist bei der Gabe von Zuckerschnitzel zu beachten, dass diese unbedingt mit ausreichend Wasser und lange genug eingeweicht werden. Sonst, wie bei der Fütterung von Cobs, kann es zu einer Schlundverstopfung oder einer Kolik kommen.



Ursachen und Behebung von Übergewicht

Die Ursachen von Übergewicht können vielfältig sein. Zu wenig Bewegung, eine falsche Fütterung, gesundheitliche Probleme wie z.B. Stoffwechselerkrankungen (ESM) sind mögliche Gründe für Übergewicht. Auch wenn es sich seltsam anhört, so kann auch zu wenig Raufutter den Grund darstellen. Meistens reduzieren Pferdebesitzer die Heumenge, um eine Gewichtsreduktion zu erzielen. Dies führt jedoch dazu, dass das Pferd die reduzierte Heumenge sehr schnell frisst und dadurch schnell wieder ein Hungergefühl hat. Die schnelle Futteraufnahme kann auch zu Verdauungsstörungen und Magengeschwüren führen. Diese Pferde mit Hungergefühl schlagen oft aufgrund ihrer Magenschmerzen gegen Boxenwände. Pferde mit ständigem Zugang zu Raufutter sind hingegen beschäftigt und schneller satt, sodass sie letztendlich wendiger fressen. Der Einsatz eines Heunetzes ist in diesem Fall ideal.

Die häufigste Ursache für Übergewicht ist zu wenig Bewegung, weshalb für solche Pferde ein Offen- oder Aktivstall besser ist. Zusätzliche Bewegung zum täglichen Training mit Führmaschine oder Laufband ist von Vorteil.

Die Kraftfuttergabe sollte auf jeden Fall reduziert, auf zu viele Leckereien sollte verzichtet werden. In der Weidesaison wäre es optimal, wenn die Pferde auf „magere“ Koppeln gestellt werden, d.h. auf solche mit wenig Graswuchs. Die Gabe von Mineralstoffen ist jedoch wichtig, damit die Grundversorgung gewährleistet ist. Auch hier ist eine tierärztliche Beratung mit Untersuchung und Blutbild empfehlenswert.









Junge Pferde, die im Wachstum stecken, sollten nicht überfüttert werden, da sonst der gesamte Knochen-, Sehnen und Muskelapparat zu stark belastet wird. Zu wenig Futter hingegen führt zu einer Mangelversorgung und damit zu einer Beeinträchtigung der Entwicklung.

Bei alten Pferden ist die Gabe von ausreichend Raufutter und entsprechender Versorgung mit Mineralstoffen erforderlich. Es gibt auch spezielles Kraftfutter für Senioren. Bei Verträglichkeit spricht auch nichts gegen die Gabe von Hafer und Gerste etc. Bei einer Zahnproblematik, die oftmals die Raufutteraufnahme minimiert, empfehlen sich auch hier wieder eingeweichte Gras- oder Heucobs.

Generell gilt, dass die Fütterung an Rasse, Größe, Alter, Gesundheitszustand und Einsatz der Pferde/Ponys anzupassen ist.