Nicole Weidner, Ariano und das Haflingerchampionat

23.07.2019  |  Erfahrungsbericht
Liebes DT- Team,

in meiner letzten Email hatte ich das Haflingerchampionat auf dem Kiefferhof angesprochen, welches am vergangenen Wochenende stattfand. Wie nah Höhen und Tiefen doch beieinander liegen, haben wir dort schmerzlich am eigenen Leib erfahren. Aber der Reihe nach...

  Am Freitag starteten wir morgens mit einer M Dressur in das Championat, die Ariano mit einer Traumnote von 7,7 gewinnen konnte. Die Prüfung war eine Qualifikation für die anschließende Kür, die auf dem Niveau von M** ausgetragen wurde. Als letzter Starter waren wir in der Kür dran - ein tolles Gefühl, ich habe immer wieder Spaß daran, unsere verrückte Musik zu präsentieren und Ariano scheint es auch gut zu finden, er ist jedenfalls immer „voll dabei” wenn die ersten Töne zu hören sind. In der Kür sind wir dann am Ende auf dem 2. Platz gelandet, ein Ergebnis, mit dem ich sehr zufrieden bin.

Weiter ging es am nächsten Morgen mit einer Stilspringprüfung der Klasse A. Was soll ich sagen, die Note vom Vortag mit 7,7 sollte uns erhalten bleiben und reichte am Ende tatsächlich für den Sieg in dieser Prüfung. Ich konnte mein Glück kaum fassen, habe ich doch erst vor noch nicht einmal 6 Wochen mit dem Springtraining begonnen. Mehr oder weniger aus einer „Bierlaune” heraus habe ich mal angemerkt, bei dem nächsten Europachampionat 2021 im Springen oder der Vielseitigkeit an den Start gehen zu wollen. Dass es so gut klappt, hatte ich ehrlich gesagt nicht zu hoffen gewagt. 

Soviel zu den Höhen des Turniers... Am Samstag folgte nach dem Höhenflug dann die Landung auf dem Boden der Tatsachen.

  Das Highlight des Turniers war die für den Nachmittag ausgeschriebene S Dressur. Zugegeben, ich war schon ein bisschen nervös aber grundsätzlich war mir klar, dass sowohl Ariano als auch ich die geforderten Lektionen „drauf haben”. Beim Abreiten fühlte sich der kleine Mann super an, gab mir ein unheimlich gutes Reitgefühl und ich bin voller Tatendrang mit einem breiten Grinsen in die Prüfungshalle eingeritten.

Und dann passierte es... Ariano war so locker wie selten, kaute auf dem Gebiss und während der Grußaufstellung legte er die Zunge über das Gebiss. In den 6 Jahren, die ich ihn jetzt habe, ist das genau 2x im Training passiert. Und dann jetzt in der Prüfung. Ich war fassungslos. Die komplette Haflingerszene aus ganz Deutschland und den Niederlanden war vertreten und ich hatte nur noch im Kopf, man können mich als harte und unfaire Reiterin abstempeln, weil ich mein Pferd dazu gebracht hätte, die Zunge raus zu strecken. Meine Panik war völlig unnötig, wie sich herausstellte. Nachdem wir im starken Trab durch die Bahn gewechselt und trotz der Umstände eine ordentliche Rechtstraversale gezeigt hatten, kam die Schritttour. Hier sortierte sich Ariano wieder - Zunge war an Ort und Stelle wo sie hingehört und alles hätte gut sein können, wenn ich die Nerven behalten hätte.

Aber anstatt einfach konzentriert zu reiten, schaute ich immer wieder, ob die Zunge nicht doch zu sehen ist. Und so kam es, dass ich die Schrittpirouette rechts herum statt links herum geritten bin. Die Zunge war vorher auf der rechten Seite zu sehen, daher habe ich mich immer wieder nach rechts gebeugt um zu kontrollieren ob alles gut ist. Und wenn einmal der Wurm drin ist, dann richtig. Das Abklingeln der Richter konnte ich erst gar nicht verstehen - war ich doch sicher, dass hier die Schrittpirouette geritten werden muss. Nur eben links statt rechts herum... Statt den Galopppirouetten zeigte ich dann einen tollen starken Galopp - der aber da leider noch nicht gefragt war. Somit folgte das 2. Abklingeln. Hier hatte ich eigentlich schon gedanklich einen Strich unter die ganz Vorführung gemacht, mich aber konsequenter Weise am Ende noch ein drittes Mal verritten, weil ich die Linkstraversale im Galopp ausließ. Es ist wie es ist, dreimaliges Verreiten führt zum Ausschluss. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge habe ich die Prüfungshalle verlassen. Ariano war großartig - was sich auch in den Kommentaren im Protokoll widerspiegelte. Nur der Pilot oben drauf hatte vor lauter Nervosität sein Navi ausgeschaltet. Shit happens oder wie heißt es so schön?

  Sonntagmorgen stand dann noch ein A Springen auf dem Plan. Unser „Pech” setzte sich ein bisschen fort, nach einer tollen und flotten Runde hatten wir einen Fehler am letzten Sprung, der aber ganz klar auf meine Kappe ging. Ich hätte Ariano einmal mehr in der Distanz aufnehmen sollen. Die Runde war trotzdem richtig gut und der kleine Streber präsentierte sich wunderbar im Parcours.

Zu guter Letzt starteten wir am Nachmittag noch in einer Dressurreiterprüfung Kl. M. Ariano war nach den ganzen Prüfungen vielleicht ein bisschen müde, er fühlte sich nicht mehr ganz so frisch an. Mit einer Wertnote von 7,1 reichte es aber dennoch für den 3. Platz.

  Jetzt haben wir uns erst mal auf ein bisschen Urlaub eingestellt. Ariano auf der Wiese und ich in Travemünde an der Ostsee.  Ende Juli geht es dann in Gummersbach auf dem Turnier mit einer M Dressur und einem A Springen weiter.

  Liebe Grüße aus Nümbrecht

  Ariano und Nicole

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