Soll ich mein Pferd nach dem Reiten abduschen? Vor- und Nachteile

25.08.2019  |  Tipps & Tricks

Soll ich mein Pferd nach dem Reiten abduschen? Vor- und Nachteile


Gerade in den heißen Sommermonaten sieht man auf allen Pferdehöfen und Reitanlagen ständiges Abspritzen von Pferden und Ponys. Abgesehen vom übermäßigen Wasserverbrauch und den dadurch verursachten Belastungen für die Umwelt, sollte jeder Pferdebesitzer, Reiter und Betreuer reflektieren, ob, wie, wie oft und vor allem wann er sein Pferd oder Pony abspritzt.
Bei den Temperaturen, die in den letzten Jahren auch bei uns im Sommer inzwischen herrschen, ist es natürlich nicht nur für die Reiter, sondern auch für die Pferde unangenehm und manchmal fast unerträglich, sodass eine kühle Dusche eine willkommene Abkühlung ist. Was geht während dem Abspritzen am und im Körper und Kreislauf des Pferdes eigentlich vor?
Es ist immer sehr interessant, wie schnell manche Pferdebesitzer ihre Pferde von der Koppel holen, wenn es anfängt zu regnen, als wären sie aus „Zucker”, aber andererseits spritzen sie ihre Pferde sofort nach aktiver Arbeit mit kaltem Wasser ab. Ist das nicht widersprüchlich?
Ratsam ist es auch darüber nachzudenken, zu welcher Tageszeit man bei sommerlichen Temperaturen sein Pferd bewegt und vor allem wie man mit dem Pferd trainiert.

Was passiert beim sofortigen Abspritzen mit kaltem Wasser:


Der komplette Sehnen, Muskel und Bänderapparat zieht sich durch den schockartigen, kalten Wasserstrahl zusammen. Dieser kalte Wasser-Schock ist weder für den noch stark erwärmten Rücken, dessen Muskulatur, noch für die Nierenpartie und natürlich auch den Bauchbereich nicht gerade angenehm und gesundheitsfördernd. Das kann man daran beobachten, wie die Bauchmuskulatur sich schlagartig zusammenzieht, wenn dort das kalte Wasser darauf kommt. Leider sieht man auch häufig, dass der Kopfbereich mit einem starken Wasserstrahl abgespritzt wird. Dabei sollte man das abneigende Verhalten des Pferdes beachten (z.B. starkes Kopfschütteln). Dieses Verhalten ist ganz logisch, da Wasser in den Pferdeohren Gleichgewichtsstörungen verursacht. Der Kopf sollte mit einem feuchten weichen Lappen oder dafür eigens gekennzeichneten Schwamm (der unbedingt immer wieder gewaschen werden muss), gesäubert werden. Bitte beachten, dass zuerst die Augen mit dem sauberen Lappen gereinigt werden und erst dann erst die Nüstern!!!! Es gibt auch Augenpads zur Reinigung. Darüber hinaus beeinflusst das Abspritzen den Kreislauf des Pferdes nicht gerade positiv, da das Pferd oft vom aktiven Arbeiten kommt und sich daher der Herz-/Kreislaufapparat noch nicht beruhigt hat. Die Abreitephase dient dazu, Herz und Kreislauf zu normalisieren, welche aber meist zu kurz ausfällt, weil im Sommer Bremsen und Mücken das Pferd plagen. Dem kann mit einer Fliegendecke entgegengewirkt werden. Wenn sich Herz und Kreislauf des Pferdes beim Abreiten entsprechend beruhigt und normalisiert haben, spricht nichts gehen eine kühle Dusche.

Wie kann es besser und sinnvoller gemacht werden?


Das Pferd oder Pony nach der Arbeit am besten mit einer Fliegendecke entsprechend lange zur Ruhe kommen lassen (Abreiten oder Führen), bis die PAT-Werte sich normalisiert haben. Danach sollte das Pferd erstmal in seine Box/Stall gebracht werden. Unbedingt darauf achten, dass das Pferd nicht hektisch und schnell viel trinkt, sondern langsam geringe Mengen Wasser zu sich nimmt. In seiner Box/Stall kommt das Pferd weiter von der Anstrengung bei hohen Außentemperaturen zur Ruhe und ist nicht mehr so erhitzt.
Ideal wäre es, das Pferd nun mit leicht erwärmtem Wasser und einem Schwamm abzuwaschen. Der Grund ist: warmes Wasser regt den Körper zum kühlen an, kaltes Wasser hingegen zum Erwärmen und hat damit einen gegenteiligen Effekt. Wie beim Trinken, wenn der Mensch ein leicht erwärmtes Getränk bei Hitze zu sich nimmt, schwitzt er weniger, als wenn er ein kaltes schnell trinkt. So kann man sich dann das auch vorstellen, wenn das Pferd total erhitzt mit kaltem Wasser abgespritzt wird. Beobachtet man die Pferde anschließend in der Box, dann schwitzen sie „nach” und sind oft noch erhitzter als vorher.

Wann macht es Sinn, sein Pferd kalt abzuspritzen?


Wenn es zur Ruhe gekommen ist (normale PAT- Werte), es abgeschwitzt hat, d.h. sein Fell wieder trocken ist, ist es sinnvoll, sein Pferd abzuspritzen. Hierbei trotzdem mit leichtem Wasserdruck an dem Körperteil beginnen, das am weitesten vom Herzen entfernt ist, nämlich dem rechten Hinterfuß. Dann arbeitet man sich langsam nach oben und vorne voran.
So kann ein Pferd an heißen Sommertagen sinnvoll abgekühlt werden und ggf. gleichzeitig vom verklebten Schweiß befreit werden. Danach natürlich mit einem Schweißmesser o. Ä. abziehen. Es tut dem Pferd auch gut, im Anschluss etwas geführt zu werden. Um der Fliegen- und Bremsenplage entgegenzuwirken, die bei einem nassen bzw. feuchten Pferd erhöht ist, kann eine Fliegendecke aufgelegt werden.
Das Waschen eines Pferdes sollte jedoch nicht all zu oft, eher selten oder kaum mit Shampoo vorgenommen werden. Wenn es dennoch notwendig ist, wie z.B. bei einem Schimmel, sollte ein spezielles mildes Pferdeshampoo verwendet werden, um die natürliche Fettschicht der Haut nicht zu schädigen, die es unbedingt zum Schutz vor allem vor Regen, Wind und Kälte braucht.
Auch die Hufe sollten nicht zu viel Wasser bekommen, da dies sonst zur Austrocknung des Hornes führen kann und dadurch Risse oder hohle Wände entstehen, in die Schmutz und Bakterien eintreten können. Feuchtigkeit ist wichtig, aber die anhaltende, langsame und leichte Befeuchtung wie z.B. im Morgentau auf der Koppel, ist die ideale und natürliche Feuchtigkeitsaufnahme des Hufes, da sich der Huf hier die Feuchte holt, die er benötigt.
An sehr heißen Tagen kann dem Pferd auch durch Auflegen einer angefeuchteten Fliegendecke eine angenehme Kühlung zugeführt werden, ohne es sofort wieder dem kalten Wasser auszusetzen. Und man spart gleichzeitig Wasser.
Kühlung durch Wasser kann natürlich bei unterschiedlichen Erkrankungen starke und sinnvolle Linderung bringen (Kreislaufschwäche bei Hitze, Huflederhautentzündung, Hufprellung, Sehnenentzündung - je nach Stadium -, u.s.w). Die Anwendung der Wassertherapie sollte nach Anweisung des Tierarztes und ggf. des Hufschmiedes vorgenommen werden.

So nun viel Spaß beim (richtigen!) Plantschen mit euren Pferden und Ponys!