Tipps zur Verfeinerung der Hilfengebung durch korrekte Atemtechnik

29.12.2018  |  Tipps & Tricks


Die korrekte Atmung/Atemtechnik beim Reiten ist zwar ein kleiner, aber oft unterschätzter Bestandteil des Ineinanderfließens der Hilfengebung. Sie ist notwendig und eine wichtige Komponente der Verständigung zwischen Reiter und Pferd – so wie Zahnräder geschmeidig ineinandergreifen müssen, um reibungslos zu funktionieren. In diesem Blogbeitrag lesen Sie, wie Ihnen das gelingt!



Grundsätzliches zur Hilfengebung

Es gibt drei verschiedene Arten von Hilfen, mit denen der Reiter auf sein Pferd einwirken kann, nämlich Gewicht, Schenkel- und Zügelhilfen. Dies ist die Verständigung zwischen Reiter und Pferd. Gewicht und Schenkelhilfen sind treibende Hilfen, Zügelhilfen hingegen verhaltende Hilfen. Durch das Zusammenspiel dieser Hilfen wird die Gangart, das Tempo und die Kontrolle des Pferdes erreicht.



Zu unterscheiden ist zwischen

• Gewichtshilfen: beidseitig belastend, einseitig belastend, entlastend;

• Schenkelhilfen: vorwärtstreibend, vorwärts-seitwärtstreibend, verwahrend;

• Zügelhilfen: nachgebend, annehmend, aushaltend, verwahrend, seitwärtsweisend;

• Zusätzliche Hilfsmittel: Gerte, Stimme, Sporen.

Einwirkung der Gewichtshilfen bedeutet, dass der Reiter für einen kurzen Moment die Phase des Anspannens der Bauchmuskulatur verstärkt („Kreuz anspannen“). Bei den einseitig belastenden Gewichtshilfen verlagert der Reiter sein Gewicht mehr auf den inneren Gesäßknochen (Nicht in der Hüfte einknicken!). Das Pferd wird dabei aufgefordert, in Richtung Schwerpunkt zu treten und mit den Hinterbeinen Last aufzunehmen. Zu beachten ist: Es darf kein dauerhaftes Einsetzten der Gewichtshilfe sein.

Dies zu spüren kann man ganz einfach üben, indem man auf einem Stuhl sitzend die Hände unter die Sitzbeinhöcker schiebt und nun den rechten Sitzbeinhöcker mehr belastet. Am besten vor einem Spiegel, um zu überprüfen, dass der Oberkörper gerade bleibt.

Die entlastende Gewichtshilfe wird eingesetzt, um den Rücken oder die Hinterhand des Pferdes zu entlasten (bei jungen Pferden Lösungsarbeit, Stangenarbeit, Vorbereitung fürs Springen, Geländereiten, Pferde mit Rückenproblemen, oder Rehatraining). Das Reitergewicht wird vermehrt auf Oberschenkel, Knie und Steigbügel verlagert, ohne den Schwertpunkt zu verändern.



Schenkelhilfen veranlassen die Bewegung des Pferdes und hält sie aufrecht.

• Der vorwärtstreibende Schenkel liegt direkt hinter dem Gurt.

• Der vorwärts-seitwärtstreibende Schenkel liegt knapp hinter dem Gurt.

• Der verwahrende Schenkel liegt ein bis zwei Handbreit hinter dem Gurt (Wächter).



Folgende Linien sind zu beachten:

Schulter – Hüfte – Absatz im Lot; Ellenbogen – Unterarm – Faust – Zügel – Pferdemaul = eine Linie.

Knie- und Fußgelenk sollten stets weich in Richtung Boden durchfedern.



Zügelhilfen dürfen nur in Verbindung mit Gewicht und Schenkelhilfen aktiv sein.

• Bei der annehmenden Zügelhilfe wird das Handgelenk gefühlvoll (millimeterweise) in Richtung Bauchmitte des Reiters bewegt (nassen Schwamm ausdrücken).

• Die nachgebende Zügelhilfe erfolgt nach der annehmenden Zügelhilfe, indem die Faust in die ursprüngliche Grundposition zurückgeführt wird oder ein leichtes Nachgeben in Richtung Pferdemaul erfolgt.

Grundsätzlich: Keine annehmende Zügelhilfe ohne aktive Schenkel und Gewichtshilfe sowie auf jede annehmende Zügelhilfe erfolgt eine nachgebende Zügelhilfe.

• Aushaltende/durchhaltende Zügelhilfe dient der Einleitung von Übergängen in niedrige Gangarten, Temporückführung innerhalb der Gangart, Rückwärtsrichten. Die Bewegung des Pferdes wird nach vorne eingegrenzt. Zügelfäuste bleiben für einen Moment fest geschlossen. Es muss unbedingt eine nachgebende Zügelhilfe erfolgen um das Pferdemaul elastisch zu halten.

• Die verwahrende Zügelhilfe ergänzt bei jedem Stellen oder Biegen des Pferdes den annehmenden inneren Zügel.

• Der seitwärtsweisende Zügel weist vor allem bei jüngeren Pferden die Richtung an und ist bei Seitengängen ebenfalls sehr hilfreich. Die richtungsweisende Hand darf etwas vom Hals des Pferdes in die gewünschte Richtung geführt werden (Hinterhandwendung).



Wichtig!

Das Maß, die Dosierung und die zeitliche Anwendung dieser drei Hilfen muss aufeinander abgestimmt werden, damit das Pferd versteht, was der Reiter von ihm abruft. Diese drei Hilfen sollten wie schon oben bereits erwähnt, reibungslos wie drei Zahnräder ineinandergreifen.

Zusätzliche Hilfsmittel wie Stimme, Gerte und Sporen sollten auch in dieser Reihenfolge erfolgen. Die Sporen sollten eine Verfeinerung der Hilfen ermöglichen. Die Stimme wirkt motivierend oder beruhigend, die Gerte wirkt als Unterstützung der treibenden Hilfen. Kein Schlagen oder Bestrafen!

Jetzt fragen Sie sich vielleicht, was dies alles mit dem Thema des Beitrags zu tun hat. Die genaue Definition dieser Hilfengebungen ist notwendig, um die Atemtechnik verständlich zu machen. Um ein Pferd zum Stehen zu bringen, atmen Sie tief ein, wodurch sich der Brustkorb füllt, der Oberkörper in eine aufrechte Position gelangt, das Pferd dadurch auf Rücken und Hinterhand die notwendige bremsende Schwere bekommt; durch diese Atemfülle des Körpers wird eine leichte, beidseitige gefühlvolle (automatische beidseitig annehmende Zügelhilfe) der Hand erreicht, die wiederum das Halten bewirkt.



Wichtig!

Wenn das Pferd steht, atmen Sie vollständig aus, wodurch Sie in die Atemleere gelangen, dadurch erfolgt ein Entspannen von Reiter und Pferd sowie ein minimales Abspannen des Zügels. Dadurch wird ein Ausweichen oder Zurücktreten des Pferdes verhindert. Beim kurzweiligen Stehen sollte der Reiter gleichmäßig und ruhig aus- und einatmen. Zum erneuten Anreiten im Schritt, Trab oder Galopp ist wieder ein aktives Einatmen notwendig, um Bauch- und Rückenmuskulatur zu aktivieren und dadurch das Pferd über Schenkel- und Gewichtshilfen in die gewünschte Gangart zu bringen.

Diese Atemtechnik ist jederzeit bei allen Übergängen sowie Tempiveränderungen anwendbar. Grundsätzlich gilt: Um ein rythmisches und somit taktmäßiges Bewegen des Pferdes sowie die Losgelassenheit zu erlangen, ist ein gleichmäßiges Ein- und Ausatmen erforderlich.



Buchtipp:

Grundausbildung für Reiter und Pferd

Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 1

ISBN: 978-3-88542-721-6

FNverlag

www.fnverlag.de